This Is Art

by Eva

Prologue

Elysium
Prologue

Mit schnellen Schritten bewegte sich die vermummte Person fort, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Ob der Schutz der Identität galt oder schlicht weg gegen die Kälte kämpfte war disputabel. Doch wer würde sich um diese frühe Uhrzeit schon zu einem solchen Disput aufraffen lassen? Wenn überhaupt, würde ein einzelner Gedanke durch den Kopf meister streifen und verebben, bevor er überhaupt Gestalt annehmen könnte. 

Die dunkel gefärbten Stiefel des morgendlichen Unbekannten schimmerten durch den Tau bedeckten Film der sich auf ihnen gebildet hatte, nachdem jeder Grashalm der kürzlich durchquerten Wiese seinen Ballast abgegeben hatte. 

Der Dunst der über dem Boden schwebte verlieh der Tageszeit eine noch tristere Stimmung, während er vor den Bewegungen der Person floh, nur um sich hinter ihr wieder zusammenzuschließen und daraufhin weiter kroch, um Kälte zu verbreiten. 

Der Wanderer hatte nun die Feldstraße verlassen und eilte weiter in das vorliegende Dorf, das noch großteils von Schlaf übermannt war. Kleine Wolken bildeten sich vor dem verdeckten Gesicht – der Atem schon fast kristallig. Wie niemals ausgesprochene Worte verschwand er in der Luft, als wäre seine Existenz von so kurzer Dauer gewesen, dass es unnötig wäre, sie überhaupt zu erwähnen. Doch hätte man ihm mehr Beachtung geschenkt, hätte man das leise Flüstern wahrgenommen, das nun in weite Ferne getragen wurde, ignoriert von der Welt und doch voller Botschaften vor denen sich die Ohren der Menschen verschlossen hatten. 

Doch die Person war sich der Ignoranz bewusst, weshalb die Sorge über die Offenbarung ihrer Geheimnisse bereits im Keim erstickte und die Konzentration voll und ganz dem Weg und dem Ziel ihrer Reise galt.

Am Horizont begann die Sonne empor zu steigen und ihre Strahlen wanderten langsam über das Land, als würden sie den Fremden willkommen heißen wollen. Der Moment, in dem das Dorf Stück für Stück in ihr warmes Licht getaucht wurde, hatte etwas magisches an sich. Sie forderte all den Nebel dazu auf, die Dunkelheit mit sich zu nehmen und ihr Platz zu machen. Denn nun war das Licht gekommen. Die Wärme. Die Hoffnung, dass es immer einen nächsten Morgen geben würde. 

Das Geräusch der schnellen Schritte auf dem feuchten Kies verklang, denn der Fremde hatte inne gehalten. Man konnte sehen, wie sich sein Brustkorb in regelmäßigen Abständen hob und wieder senkte. Ein stummer Rhythmus, der zur Idylle des Sonnenaufgangs passte. Die Person wurde ebenso in das Licht des Morgens getaucht. Der Schatten, der ihr von Anfang an gefolgt war, wurde nun immer länger und entfernte sich von ihr, als hätte er verstanden, dass seine Kameradschaft nun weder erwünscht, noch benötigt war.

Mit einer fließenden Bewegung erhob der Unbekannte seine Hand, die von einem fingerlosen Handschuh bedeckt war. Die Knöchel waren lila gefärbt von den Wunden alter Zeit. Viel Gefühl in den Fingerspitzen existierte durch die Kälte nicht mehr, doch genug um die Kapuze zurück zu ziehen. Schwerfällig fiel sie nach hinten auf den restlichen Mantel und offenbarte was zuvor keiner erahnt hatte.

Feuerrote Locken wölbten sich hervor, entzündet durch die Sonne. Als würde die unbekannte Frau Flammen auf ihrem Haupt tragen, beschritt sie stolz die letzten Meter bis zum Eingangstor des Dorfes, bis sie schließlich vor der großen hölzernen Pforte stand und mit den aufgeschürften Fingerknöcheln klopfend um Einlass bat. 

Als der Pförtner ihr diesen gewähren wollte, fiel sein noch leicht vom Schlaf getrübter Blick jedoch nicht auf das Farbspektakel vor sich, sondern auf die milchig weißen Augen die ihm funkelnd entgegen blickten. 

Dies war auch das Letzte was er wahrnahm, bevor er wie durch einen Zauber betäubt zurück in den Schlaf driftete, nicht mehr im Klaren darüber, ob die Frau mit den flammenden Haaren und hagelweißen Augen überhaupt jemals an seine Tür geklopft hatte.

~ to be continued ~

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