This Is Art

by Eva

Chapter Two

Opia – when their eyes turned white
Chapter Two

Ein dumpfes Geräusch ertönte, als ich die Holzscheite aufeinander fallen ließ, was kleine rote Funken dazu veranlasste in alle Richtungen davon zu toben und tanzend in den Nachthimmel zu steigen, wo sie bald darauf erloschen. Fabienne hatte es sich neben dem kleinen Feuer bereits bequem gemacht und wärmte dankbar ihre Hände daran. Selbst wenn es deutlich angenehmere Temperaturen hatte als an den Tagen davor, durfte man die Nacht nicht unterschätzen.

„Cora? Haben wir noch was zu essen..?“, fragte meine Schwester mich nun und wandte mir ihren Blick zu. Hoffnungsvolle blaue Augen starrten mir Löcher in meine ohnehin von Schuldbewusstsein geprägte Seele und, obwohl ich die Antwort bereits wusste, griff ich trotzdem nach meinem Rucksack, öffnete ihn und begutachtete den Inhalt besonders genau.

Zwei Wasserflaschen, eine davon noch mit etwa zwei Schluck gefüllt, Papiere und Verpackungen von Müsli-Riegeln, eine Taschenlampe, meine Mütze und eine Packung Streichhölzer, sowie mein Schlüsselbund. Es hatte sich zu seltsam angefühlt ihn wegzuwerfen, weshalb er nun immer noch am Boden der Tasche verweilte.

Am liebsten hätte ich für alle Ewigkeit in die Dunkelheit hinein gestarrt. Alles war besser, als meiner Schwester wieder in die Augen schauen zu müssen, um ihr zu erklären wie rar unsere Ausbeute war. 

„Wir- finden morgen sicher was. Versuch einfach zu schlafen.“

Ich konnte an ihrer nicht vorhandenen Antwort genau erkennen, was sie sich dachte, doch selbst wenn ich mir wünschte so auf sie aufpassen zu können, wie es von mir verlangt war… wie sollte das möglich sein, wenn die halbe Bevölkerung zu gehirnlosen, menschenfressenden Monstern geworden war?

War nicht so als ob ich mir ausgesucht hätte vor meinen eigenen Eltern zu flüchten, bevor sie mir weiß Gott was abgebissen hätten…

Fabienne hatte sich bereits auf den Boden neben dem Lagerfeuer gelegt und die Augen geschlossen, sichtlich missmutig über die Situation. Aber solang sie mir vertraute, dass alles gut werden würde, konnte ich sie durch Zeiten wie diese bringen. Wie lang das jedoch noch gut gehen würde, stand in den Sternen.

Ich wünschte, ich hätte ihr versprechen können, dass ich immer auf sie aufpassen würde. Aber offensichtlich war ich nicht in der Lage dazu gewesen, sonst wäre ich nicht von ihrem spitzen Schrei geweckt worden und der Sicht einer Pistole vor meinen Augen.

Wann ich von dem flackernden Licht der Flammen eingeschlafen war, konnte ich nicht sagen. Nur, dass es nicht hätte passieren dürfen.

Mein Herz begann zu rasen, als ich versuchte die Situation erkennen zu können, was jedoch nicht so einfach war, in Anbetracht der Tatsache, dass eine Schusswaffe auf mich gerichtet war. Auch ein Gefühl, an das man sich erst gewöhnen muss.

Durch die Dunkelheit war es schwer die Personen vor mir zu erkennen, doch ich meinte einen Jungen und ein Mädchen ausmachen zu können, wahrscheinlich nicht viel älter als ich selbst. 

„Bitte…“, versuchte ich anzusetzen, wurde jedoch sofort grob unterbrochen. „Was wollt ihr hier!? Wer hat euch geschickt?“ Die Pistole, die der Junge auf mich gerichtet hatte, kam noch näher an meine Stirn. 

Im Hintergrund hörte ich Fabienne aufschluchzen.

„Wir sind nur auf der Durchreise.“, erklärte ich mit zittriger Stimme. „Wir haben selber nichts mehr zu essen, wir können euch nichts geben.“

Man konnte den beiden Fremden sichtlich anmerken, dass sie mindestens genauso angespannt waren von der Situation wie wir, doch nachdem sie verunsicherte Blicke ausgetauscht hatten und das Mädchen uns genauer begutachtet hatte, senkten beide langsam ihre Waffen. 

Der Junge musterte mich argwöhnisch. „Ihr habt nicht mal ein Taschenmesser dabei, obwohl im Grunde genommen gerade die Welt untergeht – wie überlebt ihr?“

Ja gut… das war ein valider Punkt.

Meine stumme Antwort war mir wohl trotzdem im Gesicht abzulesen, denn mein Gegenüber musste mit dem Mundwinkel zucken. Auch das Mädchen, das meine Schwester bedroht hatte, half dieser nun auf. „Die zwei sind wirklich keine Bedrohung… haben selber wahrscheinlich weniger Ahnung, was passiert, als die Rehe hier im Wald.“

Erneut.
Valider Punkt.

„Ihr seid wahrscheinlich echt hungrig…“

Bevor ich auch nur ansetzten konnte ihm zu antworten, grummelte mein Magen, was Bestätigung genug war. Ganz zu schweigen von Fabiennes kugelrunden Augen, wenn sie auch nur an Essen dachte. 

„Kommt mit… ihr könnt bis morgen erst mal bei uns bleiben. Wir haben noch genug für alle.“ Sein Blick wanderte zwischen Bee und mir hin und her. „Dann sehen wir weiter.“

Wahrscheinlich hätte ich mal wieder mehr Vorsicht an den Tag legen sollen, doch der Gedanke, vielleicht endlich wieder vernünftig essen zu können, war zu verlockend. Außerdem… wenn wir demnächst nicht per Zufall an einer verlassenen Tankstelle oder einem Laden vorbei gekommen wären- ich wollte eigentlich gar nicht darüber nachdenken.

Jagen lernen setzte sich auf meiner „Wie überleben wir eine Zombie Apokalypse im einundzwanzigsten Jahrhundert?“- Liste ganz nach oben. 

Ich erhob mich nun auch und schulterte meinen Rucksack, dann folgte ich den beiden, wortlos, trotzdem ihre Waffen ganz genau im Auge behaltend. 

„Ich bin übrigens Teddy. Und das-“, er nickte zu dem Mädchen, das – wie ich nun erkennen konnte – erdbeerblondes Haar hatte. „ist Ivy. Sorry nochmal wegen vorhin… man kann nie vorsichtig genug sein.“

Ich nickte zustimmend, selbst wenn wir wohl beide wussten, dass ich diese Einstellung erst erlernen musste. „Coralie…“, meinte ich nun leise, um mich ebenfalls vorzustellen. „Fabienne ist meine kleine Schwester…“

„Französisch, hm…“

Ich nickte. „Meine Mutter kam ursprünglich aus Marseille. Ist als sie mit mir schwanger war aber mit meinem Vater zurück nach Cleveland gezogen. Er hat dort als Architekt gearbeitet und konnte nicht wirklich in Frankreich bleiben, also…“

Teddy antwortete einige Zeit lang nicht, weshalb ich schon fast davon ausgegangen war, dass das Gespräch beendet war. Doch er erhob seine Stimme erneut: „Ich nehme mal an euren Eltern ist es ähnlich ergangen wie den meisten.“

Ich nickte nur, denn das Thema war nicht unbedingt eines über das ich mitten in der Nacht mit jemandem reden wollte, der mir vor einigen Minuten noch eine Knarre an den Kopf gehalten hatte.

Unsere Wanderung durch den finsteren Wald erstreckte sich noch etwa über zwanzig Minuten. Ich wollte gerade nachfragen, wie lange wir noch gehen müssten, als ich die Umrisse eines hohen Zaunes erkannte.

„Home, sweet home…“, murmelte Teddy und übernahm erneut die Führung, um zu einem etwas rostig aussehenden Tor zu gehen und dieses für uns offen zu halten, nachdem er die dicken Stricke, die wohl der Sicherung dienten, gelöst hatte.

Vor mir offenbarte sich eine Holzhütte, die mich sehr an das Landhaus meiner Tante erinnerte.

Wie es ihr wohl ging..?

Der Garten davor schien verwildert und ungepflegt zu sein, doch wer war ich schon, mich über solche Kleinigkeiten aufzuregen, wenn draußen scheinbar untote Menschen herumliefen.

Im Hintergrund konnte man wahrnehmen, wie Ivy das Tor wieder schloss und an dem Balken daneben festband, ehe sie uns folgte und bedeutete die Hütte zu betreten.

Auf den ersten Blick schien auch der Innenbereich eher rustikal zu sein. Mein Vater hätte wohl bereits seinen zweiten emotionalen Zusammenbruch erlitten und von geschändeter Ästhetik geredet. Er war immer mehr der moderne type-of-guy gewesen. 

Im hinteren Winkel befand sich eine Treppe, die wohl in den zweiten Stock führte, während vor uns ein Esstisch mit anliegendem Sofa zu sehen war, was von Teddy liebevoll als Wohnküche vorgestellt wurde. 

Licht wurde nur von zwei deutlich benutzten Kerzen gespendet, die in der Mitte des Tisches ihren Platz gefunden hatten und nun die vielversprechend aussehenden Kästen an der Wand beleuchteten. 

Und zum Glück wurden meine Erwartungen nicht getrübt, denn kaum zehn Minuten später saßen wir zu viert am Tisch, jeder über eine Schüssel canned beans gebeugt.

Man merkte, dass meine Schwester sofort wieder redelustiger wurde, sobald ihr Magen dies nicht mehr für sie übernahm.

„Also… Teddy… das ist nicht dein wirklicher Name, oder?“ Sie musterte ihn mit etwas zusammengekniffenen Augen, als ob sie so besser die Antwort aus ihm heraus kriegen würde. „Ich meine- ich werde auch meistens Bee genannt, aber nur weil Fabienne viel zu lang ist. Wer mag schon gern lange Namen. Aber es kommt mir doch sehr abwegig vor, dass sich Eltern tatsächlich denken würden, es sei eine gute Idee, ihren Sohn nach einem Plüschtier zu benennen.“

Ich stieß sie unter dem Tisch mit meinem Fuß an und warf ihr einen warnenden Blick zu, worauf ich jedoch nur ein empörtes „Was!? Ich frage doch nur!“ erhielt.

Teddy schien abzuwägen ob er die Frage beantworten sollte oder nicht, seufze schließlich jedoch und grummelte: „Kurz für Theodore…“

„Wie so ein richtiger Prinz!“, lachte Bee daraufhin, erntete von ihrem Gegenüber aber nur einen Blick, der soviel bedeutete wie: „Belassen wir es dabei.“

Nun richtete sich meine Aufmerksamkeit dem vierten Mitglied am Tische zu.

„Gibt’s zu deinem Namen auch ne versteckt royale Geschichte?“

Ivy wurde etwas rot, was in der Dunkelheit zwar kaum erkennbar war, aber durch ihr blasses Gesicht sehr wohl hervor trat.

„Ahm…“ Sie räusperte sich. „Meine Eltern waren einfach sehr versessen mit DC Comics… Poison Ivy und so… nichts wirklich Besonderes.“

Sofort erhellte sich das Gesicht meiner Schwester. „No way! Oh mein Gott! Es war voll lange unklar, ob ich ein Mädchen oder ein Junge werde, deshalb wollte unser Dad mir einen Namen geben, der für beide Geschlechter gepasst hätte.“ Sie lachte auf. „Wäre meine Mutter nicht so durchsetzungsfähig gewesen, würden hier jetzt Poison Ivy und Harley Quinn am Tisch sitzen!“

Ich glaube es ist unnötig zu erwähnen, dass so ziemlich alle verbliebenen Anspannungen an dem Abend mit diesem Satz zunichte gemacht wurden…

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