This Is Art

by Eva

Chapter Three

Opia – when their eyes turned white
Chapter Three

Das Abendessen war gemütlich verlaufen und ich hätte die fahlen Bohnen jedem fünf Sterne Menü vorgezogen. Wir saßen noch alle zusammen, nachdem wir Ivy geholfen hatten die Teller zu waschen, was angesichts der Tatsache, dass es kaum fließendes Wasser in der Hütte gab, schwieriger war als erwartet.

„Wann habt ihr das erste mal einen gesehen..?“, hatte Ivy im Endeffekt das Thema eingeleitet, das ohnehin unvermeidbar war. Ich meine, worüber sonst sollte man sich heutzutage unterhalten? Fußball?

„Im Supermarkt. Ich glaube, sie war die erste in unserer Gegend. Unsere Eltern waren aber- naja… wir sind sehr schnell von dort weg. Deshalb auch das- unglaublich brauchbare survival kit.“ Ich machte eine ausschweifende Handbewegung in Richtung meines Rucksackes und erntete ein belustigtes Schnauben von Teddy. 

„Ich hab schon einige Rastlose gesehen… begegnen einem ja mittlerweile auf jeder Straße.“
„Rastlose? Nennt ihr sie so?“
Ivy nickte. „Zombies hört sich zu… fiktiv an…“

Dem konnte ich tatsächlich nur zustimmen. Eigentlich gar kein so schlechter Name. Unser blendender Einfall war bis jetzt einfach Wesen. Das sprach ich besser nicht aus.

„Aber solange wir hier sind und keinen Lärm verursachen, ist alles gut.“, führte Teddy seinen Bericht fort, was mich jedoch sofort die Stirn runzeln ließ.
„Wieso Lärm?“
Ivy tauschte mit ihm einen Blick aus. „Wow… ihr habt echt noch keine Ahnung von den Dingern, oder?“

Leicht beschämt schüttelte ich den Kopf, was Teddy dazu veranlasste sich zurückzulehnen und erneut das Wort an sich zu nehmen: „Rastlose reagieren auf auditive Reize. Sie folgen Geräuschen.“ 

„Und Gerüchen.“, warf seine Freundin ein.

„Stimmt. Auch Gerüchen. Aber sobald ihre Augen weiß sind, sehen sie nichts mehr. Deswegen kommt es auch vor, dass Leute, die kurz vor der Wandlung stehen, beziehungsweise erst vor kurzem so geworden sind, teilweise trotzdem attackiert werden, weil die Dinger den Unterschied noch nicht riechen können. Hat dann auch erklärt, als ich die zerfetzen Kleidungsstücke gesehen hab, die sie tragen. Aber was sie besonders wild zu machen scheint, ist Blut. Wir haben vor kurzem gesehen, wie sie regelrecht ausgerastet sind wegen eines toten Rehs im Wald. Je frischer sie noch sind, desto schneller können sie rennen. Und glaub mir, du willst nicht von so einem Etwas gejagt werden.“

Mir lief ein kalter Schauer den Rücken herab. Ivy hatte Recht behalten… wir wussten nichts über diese Wesen.

Fabienne war mal wieder die einzige am Tisch, deren Gedanken etwas anders ausgelegt waren. „Aber wenn sie auf Blut so stark reagieren… heißt das…-“
Teddy schien einen Moment zu brauchen, um zu verstehen, was sie versuchte zu implizieren, bevor seine Augen sich weiteten und er rot anlief. „Das- ahm… keine Ahnung…“

Die unangenehme Stimmung surrte praktisch in der Luft über uns, weshalb ich schnell versuchte, das Thema zu wechseln. „Also… woher kennt ihr euch eigentlich? Wieso genau diese Jagdhütte?“

Der braunhaarige Junge war sichtlich erleichtert, über etwas anderes reden zu können. „Ivy ist meine Cousine. Ihre Mutter arbeitet als Stewardess, deshalb war sie oft bei uns. Mein Vater hat mir immer Updates gegeben, als alles begonnen hat komisch zu werden… arbeitet bei den FEDs. Ursprünglich in Washington, wurde dann aber in Brooklyn eingesetzt, wo wir seit einigen Jahren wohnen. Also gar nicht so weit weg von Cleveland.“

Ich nickte leicht. „Ich schätze mal, dass das der Grund ist, warum du ne Pistole bedienen kannst? Bitte sag ja, sonst wäre die Situation vorhin noch beunruhigender gewesen.“

Ich zuckte auf meinen Kommentar hin mit dem Mundwinkel. „Ja, keine Sorge. Dad hat mir, als ich sechzehn war, das erste Mal gezeigt, wie man die Dinger hält und im Notfall bedient. Durfte natürlich nie mit echten Patronen schießen. Zu meinem neunzehnten Geburtstag hat er mir eine eigene geschenkt. Ich weiß, irgendwo gruselig…“

„Und deine Mutter?“, brachte sich nun auch Fabienne ein.
Er musterte die Jüngere kurz, ehe er antwortete: „Keine Ahnung, hat uns verlassen, als ich noch ein Baby war. Kann mich nicht an sie erinnern.“ Er räusperte sich kurz und schien sich wieder zu fassen.
„In den Ferien war ich oft mit meinem Dad campen. Deshalb kannte ich diese Hütte hier auch. Ivy’s Mutter war gerade bei einem Flug nach Portugal eingesetzt und als ihr Vater Anzeichen gezeigt hat, hat sich Ivy auf seine Anweisungen hin sofort in den nächsten Zug gesetzt, um zu uns zu kommen. Mein Vater wurde aber zu einem neuen Einsatz eingezogen, keine Ahnung ob es ihn auch erwischt hat…“
Seine Stimme wurde zum Ende hin leiser und ein betrübter Schatten fiel über seine ohnehin schon dunklen Augen. 
Als wäre er plötzlich gar nicht mehr bei uns, strich er sich seine Haare zur Seite, so dass man seinen Side-cut deutlich erkennen konnte. Doch seine Gedanken hatten ihn eindeutig in ihrer Tiefgründigkeit gefangen genommen.

Ivy schien dies auch bemerkt zu haben, denn sie führte die Erzählung für ihn fort. „Als immer mehr Leute sich verändert haben, dachten wir, es sei klüger, die Stadt zu verlassen. Die Hütte hier schien für den Anfang am sichersten zu sein. Wir sind anfangs eigentlich davon ausgegangen, dass sich das alles nach einigen Wochen wieder legen würde…“
Sie brauchte den Satz nicht beenden. Wir wussten alle, wie die Realität mittlerweile aussah. 

„Naja… jetzt sind wir hier. Zum Glück kennt sich Teddy mit vielen Sachen aus, die hier draußen echt nützlich sein können. Aber es ist trotzdem immer noch ein eigenartiges Gefühl, versteht ihr…?“

„Ja…“, murmelte ich und wurde selbst in das Gefühl zurückversetzt, wie es gewesen war, zum ersten Mal diese Kreaturen zu sehen, die so schnell von einst sterblichen Menschen zu untoten Monstern geworden waren.

Eine Ruhe legte sich über eine Gruppe. Nicht unbedingt die unangenehme Art des gegenseitigen Anschweigens, wo man unsicher ist, wie das Gespräch weitergeführt werden könnte. Es war eher das Gefühl das aufkam, wenn ein langes Gespräch beendet wurde und jeder noch über die Sachen nachdachte, die gesagt worden waren.

Umso angenehmer war es, als wir beschlossen, dem Tag sein Ende zu gönnen und uns dem wohlverdienten Schlaf zu widmen, der so dringend nötig war.

Ivy hatte uns noch über die knarzende Holztreppe hinauf geführt und uns eines der Zimmer gezeigt, in dem wir nächtigen konnten.

Erst als ich im Bett lag, merkte ich, wie sehr die Müdigkeit bereits an mir nagte. Da blendete man auch problemlos die harte Matratze und die löchrige Decke aus.

Verwunderlich war es jedoch trotzdem nicht, als ich noch hellwach war, nachdem meine kleine Schwester bereits tief und fest an mich gekuschelt schlief. Zu viele Gedanken rasten mir noch durch den Kopf und wollten einfach nicht anhalten, selbst wenn sie sich gegenseitig schon dutzende Male gekreuzt hatten. 

Draußen hörte man das leise Rauschen der Bäume, durch die ein sanfter Wind hindurchzog der das Laub am Boden auf seine Reise mitnahm. 

Irgendwo außerhalb dieser sicheren vier Wände wanderten Rastlose umher, ohne ein wirkliches Ziel zu haben. Doch es wurde ihnen verwehrt, Ruhe zu finden.
Ohne Sicht oder dem Anflug von Gefühlen, ohne Gedanken, ohne Leben. 

Ein eisiger Schauer überkam mich. 

Ich konnte mir nichts Schlimmeres vorstellen, als so zu enden…

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